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Gemeindeportrait

Die geographische Lage Toblacher See

Das Gemeindegebiet von Toblach liegt in der Mitte des rund 100 km langen Pustertals, welches im Westen von der Mühlbacher Klause, im Osten von der Lienzer Klause eingegrenzt wird. Das berühmte Toblacher Feld bildet die Wasserscheide zwischen Adriatischem und Schwarzem Meer. Die am Fuße der Drei Zinnen entspringende Rienz fließt zunächst nach Westen, mündet bei Brixen in den Eisack, dann in die Etsch und schließlich in das Adriatische Meer. Die Drau hingegen hat ihr Quellgebiet im Rohrwald am Fuße des Haunolds, fließt nach Osten, mündet bei Osijek in die Donau und dann ins Schwarze Meer. Die Naturlandschaft des Toblacher Sees (siehe Bild) gilt als beliebtes Naherholungsgebiet
Eine Scheidelinie bildet das Pustertal auch aus geologischer Sicht: die Zentralalpen im Norden bestehen aus Urgestein, die Dolomiten im Süden aus Kalkgestein. Das Gemeindegebiet umrahmen nordseits die Ausläufer der Hohen Tauern (Toblacher Pfannhorn, Hochhorn, Gaishorn, Golfen), im Südosten die wild-bizarre Haunold- und Neunergruppe und im Süden Naßwand, Birkenkofel, Dürrenstein und Sarlkofel. Auch die weltberühmte Nordseite der Drei Zinnen (siehe Bild) erhebt sich auf Toblacher Gemeindegebiet.
Drei ZinnenVerkehrstechnisch bildet Toblach einen wichtigen Knotenpunkt im Pustertal, welches mit der Brenner- und Tauernlinie die zwei bedeutendsten europäischen Nord-Süd-Achsen verbindet. Die Gemeinde Toblach breitet sich auf einem Gebiet von 126,33 km2 aus. Der historische Ortskern von Alttoblach (1243m) im Norden ist mittlerweile mit dem jüngeren Neutoblach (1211m) im Süden zusammengewachsen. Zum Gemeindegebiet gehören die Fraktionen Wahlen und Aufkirchen sowie zahlreiche kleinere Weiler wie Säge, Letten, Gratsch, Schluderbach, Neunhäusern, Ratsberg, Schönhube, Melaten, Frondeigen, Haselsberg, Stadlern, Kandellen und Frondeigen.
Im Nordosten grenzt Toblach an Osttirol, im Nordwesten an die Gemeinde Gsies, im Westen an Niederdorf und Prags, im Süden an die Gemeinden Auronzo und Cortina d’Ampezzo und im Osten an Innichen und Sexten.


Klima

Wie das gesamte Pustertal fällt auch Toblach in einen Bereich ausgeprägter Temperaturextreme. Die Schwankungen zwischen den Maximalwerten im oberen und unteren Bereich erreichen die 50º-Marke. Durchschnittlich werden in Toblach 40-50 Eistage gezählt, d.h. an 40-50 Tagen steigt die Quecksilbersäule nicht über die Null-Grad-Grenze. Sommertage (definiert durch ein Temperaturmaximum von 25º und mehr) zählt man im Durchschnitt 30. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 5,5º. Mit ungefähr 2000 Sonnenstunden im Jahr gehört Toblach aber auch zu den sonnenreichsten Gegenden des Landes.


Flora und Fauna

Das Toblacher Siedlungsgebiet ist von reichen Wäldern umgeben. Der Waldgürtel erreicht zumeist eine Höhe von 2000m. Vorherrschend sind weite Fichtenbestände, stellenweise Lärchen, seltener finden sich Tannen und Föhren. Auf die Waldstufe folgt im Norden ein Gürtel von Zwergstrauchvegetation, im kalkhaltigen Süden häufig dichtes Latschengebüsch. Darüber liegen auf vulkanischem Untergrund prachtvoll blühende Almmatten. Auf den zahlreichen Alm- und Bergwiesen gedeiht das Gold-Fingerkraut, Berg-Hauswurz, Primelgewächse, Alpenglöckchen, Arnika, Kohlröschen, Baldrian, Schafgarbe, Silberwurz, die Teufelskralle und zahlreiche andere Pflanzen.
Die Tierwelt beherrschen naturgemäß zahlreiche Gebirgstiere. In den Wäldern und Gebirgshängen um Toblach tummeln sich v.a. Gämsen und Rehe. Ein natürliches Habitat finden aber auch der Hirsch, Fuchs, Dachs, Alpenschneehase, Auerhahn, verschiedene Marderarten und das Murmeltier. Im reichen Bestand von Vogeltieren fand sich auch schon der Steinadler, heute noch nisten Habichte, Mäusebussarde, Turmfalken, Alpendohlen, Kolkraben, Spechte, Zeisige, Wasseramseln, Bachstelzen u.a.
Weite Teile des Gemeindegebietes befinden sich in den zwei Naturparken „Fanes Sennes Prags“ und „Drei Zinnen“.


Bevölkerung und Wirtschaft

In Toblach leben heute 3.292 Menschen (Stand 31.12.2004). Im Lauf der letzten 100 Jahre hat sich die Bevölkerungszahl also verdoppelt (1659 Einwohner waren es im Jahre 1900). Von diesen gehören heute 86% der deutschen und 13% der italienischen Sprachgruppe an. Die wichtigsten Erwerbszweige sind der Fremdenverkehr, Handel, die Landwirtschaft, der Dienstleistungbereich sowie das klein- und mittelständische Handwerksgewerbe. In Toblach finden sich insgesamt 249 landwirtschaftliche Betriebe, wobei heute allerdings zahlreiche Landwirte auch einem Nebenerwerb nachgehen. Im Jahre 2004 waren in Toblach 6.331 Gästebetten registriert, davon 3.361 in gewerblichen Betrieben (Hotels, Gasthöfe, Garnis, Pensionen), 2.969 in nicht gewerblichen (Camping, Privatzimmer, Ferienwohnungen, Schutzhütten, Jugendherberge, Ferienheime). Von den 493.973 Nächtigungen fallen 73,52% auf italienische und 17,14% auf deutsche Gäste.


Geschichte

Um 1000 v.Chr. Illyrische Stämme kommen aus dem Südosten in die Gegend von Toblach; als Nomaden und Viehbauern betreiben sie Weidewirtschaft; zu den frühesten Siedlungsgebieten gehören der Ratsberg, die „Platte“ und der „Kaflanbinggl“
5-4. Jh.v.Chr. Keltische Stämme, Träger der La-Tène-Kultur, die neben Viehzucht auch Ackerbau betreiben, siedeln im Hochpustertal und gründen kleinere Siedlungen; im Hochpustertal siedelt der Stamm der Laianken
2. Jh.v.Chr. Keltische Stämme schließen sich zum Königreich Noricum zusammen und gehen Bündisverträge mit den Römern ein
15 v.Chr. Drusus und Tiberius erobern das Königreich Noricum und richten die Provinzen Rätien und Noricum ein
1. Jh.n.Chr. Die Römer bauen eine Heeres- und Versorgungsstraße durch das Pustertal; Siedlungen, bzw. Militärstationen bestanden in Sebatum (St. Lorenzen), Aguntum (bei Lienz) und Littamum (Innichen); im Weiler Gratsch wurde ein Meilenstein aus der Regierungszeit Kaiser Gordians III. (238-244) gefunden
6.-7. Jh.n.Chr. Im Zuge der Wirren der Völkerwanderung kommt es zwischen den aus dem Osten andrängenden Slawen und den aus dem Westen vordringenden Bajuwaren zu heftigen Kämpfen
590er Jahre Der Bajuwarenherzog Tassilo I. besiegt auf dem Toblacher Feld die Slawen; im Namen Viktoriabühel (östl. von Toblach) lebt die Erinnerung an diese Schlacht weiter
769 Tassilo III. schenkt dem Freisinger Abt Atto v. Scharnitz das Gebiet zwischen Welsberg und Abfaltersbach; dieser soll dafür in diesem „eisigen Feld“ (campus Gelau) ein Benediktinerkloster zur Missionierung der Slawen gründen
7.-9. Jh. Beginn intensiver Rodungsarbeiten und Siedlungstätigkeit durch bajuwarische Bauern; Einrichtung von Maierhöfen
31. Dezember 827 Erste urkundliche Erwähnung Toblachs in der Quartinusurkunde als in Duplago
9. Jh. Die Mönche von Innichen errichten in Toblach die erste Kirche
9.-12. Jh. Das gesamte Hochpustertal ist Besitz des Hochstiftes Freising; Gerichtsvögte haben ihre Sitze in Heunfels (bei Sillian) und Welsberg.
1271 Das Pustertal fällt an die Grafschaft Görz
1392 Die Pfarre Toblach wird dem Kollegiatstift Innichen inkorporiert
1500 Die Görzer sterben aus, das Pustertal fällt zum Besitz der Habsburger
1508/11 Kaiser Maximilian führt gegen die Republik Venedig Krieg und unternimmt über das Höhlensteintal mehrere Vorstöße; Belagerung und Eroberung von Peutelstein (zwischen Toblach und Ampezzo), des nördlichsten Stützpunkts von Venedig; ChristophHerbst wird erster Hauptmann von Peutelstein
1519 auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers Maximilian I. errichten die Gebrüder Kaspar und Christoph Herbst di Via Crucis
1525 Bauernunruhen im Pustertal: Plünderung von Pfarrhäusern
1612 Ein Großbrand sucht den Ort heim: 21 Häuser werden zerstört
1719 Der Silvesterbach überflutet das Dorf: 16 Menschen kommen zu Tode
1733 Ein Großbrand sucht das Unterdorf heim: 16 Häuser werden zerstört
1797 Der Toblacher Pflegeverwalter Josef Reinisch befehligt in den Napoleonischen Kriegen 600 Oberpustertaler an der Ampezzaner Grenze
1809 Toblacher sind v.a. in der Grenzverteidigung am Kreuzbergpaß und im Ampezzaner Gebiet im Einsatz
1810 Racheaktionen der Franzosen (General Broussier) im gesamten Pustertal: in Toblach wird am 5. Jänner BartholomäusDurnwalder standrechtlich erschossen. Napoleon lässt die Grafschaft Tirol zerreißen: Im Osten werden die Illyrischen Provinzen eingerichtet, das Gebiet von Niederdorf westwärts wird zum Königreich Bayern geschlagen, Toblach wird für kurze Zeit dem Königreich Italien (Departement Piave) angegliedert und untersteht somit dem Gericht Belluno und kirchlich der Diözese Udine
1821 Gründung der Musikkapelle durch Sebastian Baur: „Türkische Musik“
1823 Der Silvesterbach überflutet abermals das Dorf: um die 50 Häuser werden eingesandet
1824 Errichtung einer Armenanstalt für arme und verlassene Kinder, alte und arbeitsunfähige Menschen
1857 Der Silvesterbach überflutet und vermurt erneut das Dorf
1871 Eröffnung der Eisenbahnlinie durch das Pustertal
1872 Eröffnung des ersten Hotels in Toblach: Hotel Ampezzo
1874 Gründung der Feuerwehr
1878 Bau des Grandhotels (Südbahnhotel) in Neutoblach durch die Südbahngesellschaft (Dr. Fr. Schüler) und Beginn des Fremdverkehrs in Toblach; die Unterkunft beherbergt eine Reihe illustrer Gäste: König Albert v. Sachsen, die österr. Kronprinzessin Stephanie, Herzog Theodor von Bayern, Baron Leopold Rothschild, Baron Nathanel Rothschild, König Milan I. v. Serbien u.a.
1882 Gründung der Sennereigenossenschaft
1882 (16. September u. 28. Oktober) Überschwemmungskatastrophe: die Überflutungen ziehen die gesamte Ortschaft bis zur Eisenbahnlinie in Mitleidenschaft
1884 Errichtung von Schutzbauten
1886 Gründung des Verschönerungsvereins
1887 (September) Kuraufenthalt des dt. Kronprinzen Friedrich Wilhelm (später Kaiser Friedrich III.) in Toblach
1891 Gründung der Raiffeisenkasse
1899 Gründung des Radfahrerclubs Toblach
1900 Errichtung des ersten Elektrizitätswerks
1908-1910 Gustav Mahler weilt in Alt-Schluderbach auf Sommerfrische und komponiert die 9. und 10. Symphonie sowie das Liedvon der Erde („Toblacher Trilogie“)
1914-1918 Im Ersten Weltkrieg ist das Pustertal Operationsgebiet, Toblach Frontbereich; die Pfarrkirche, viele Gebäude und Hotels werden zerstört oder beschädigt
1918 (10. November) Italienische Truppen rücken in Toblach ein
1919 (10. September) Friedensvertrag von St. Germain: Österreich muss Südtirol an Italien abtreten
1923-1945 Südtirol unter faschistischer Herrschaft
 


Sehenswürdigkeiten


Sakralbauten

  • Die Pfarrkirche zum hl. Johannes dem Täufer (siehe Bild) Toblach Kirche im Winter
  • Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes in Aufkirchen
  • St. Peter am Kofel
  • Kirche zum hl. Nikolaus in Wahlen mit Friedhofskapelle
  • Wallfahrtskirche St. Silvester auf der Alpe (1912 m)
  • Fünf Passionskapellen und die Rundkapelle zum hl. Joseph in Lerschach 1
  • Peststöckl von Frondeigen
  • Soldatenfriedhof (Nasswand)



Profanbauten und andere Sehenswürdigkeiten

  • Die Herbstenburg (siehe Bild) Herbstenburg
  • Der Rote Turm
  • Die alten Ansitze Englös, Biedenegg
  • Gustav Mahlers Komponierhäuschen im Wildpark von Altschluderbach
  • Grandhotel (siehe Bild)




  
  
  
  
  
  
Grandhotel  


Zum Weiterlesen:

T. CHRISTOMANNOS, La strada delle Dolomiti. Bolzano-Cortina-Dobbiaco, Bologna 1999
G. CROZZOLI, Toblach. Das Lied von der Erde, Ponzano/Treviso 1997
K. GRUBER/H. NOTHDURFTER/H. MAIRHOFER/I. MUSER, Besinnungsweg. Von Aufkirchen nach St. Peter am Kofl. Gemeinde Toblach, Bozen 1997.
H. HEISS, Grandhotel Toblach. Pionier des Tourismus in den Alpen. Grand Hotel Dobbiaco. All’avanguardia del turismo nelle Alpi, Wien/Bozen 1999
H. KAMMERER, Hochpustertal. Sexten – Innichen – Toblach – Niederdorf – Welsberg – Olang. Führer für Feriengäste und Bergwanderer, Lana 1991
E. KÜHEBACHER, 100 Jahre Raiffeisenkasse Toblach (1891-1991). Zur Geschichte der Hochpustertaler Geldwirtschaft, Toblach 1991
E. KÜHEBACHER, Die Freiwillige Feuerwehr Aufkirchen und ihr Heimatdorf, Aufkirchen 2001
M. LERCHER, Die Kirchen von Toblach, Aufkirchen und Wahlen. Geistlicher Kirchenführer, Bozen 2005
R. LUNZ, Urgeschichte des Oberpustertals, Bozen 1977 (= Archäologisch-historische Forschungen in Tirol 2)
H. MAIRHOFER, Toblach und Umgebung, Bozen 1978 (= Südtiroler Gebietsführer 19)
J. RAMPOLD, Pustertal. Landschaft, Geschichte und Gegenwart an Drau, Rienz und Ahr. Das östliche Südtirol zwischen Sextener Dolomiten und Mühlbacher Klause, Bozen 51987 (= Südtiroler Landeskunde 2), bes. 152-168
W. SCHAUMANN, Toblach. Landschaft und Geschichte zwischen Defregger Bergen und den Dolomiten, Cortina d’Ampezzo 1978 (= Wanderführer 6)
S. SCHNÜRER, Die große Dolomitenstraße. Von Bozen über Canazei und Cortina nach Toblach, München 1991
J. STROBL (Hrsg.), Ältester Kreuzweg Tirols in Toblach, Bruneck o.J. [1988]
H. STUPPNER (Hrsg.), Mahler a Dobbiaco. Mahler in Toblach, Milano 1989 (= Quaderni di Musica/Realtà 22)
M. WACHTLER, Es ist ein einig Land... Der unaufhaltsame Aufstieg des Dorfes Toblach, Bozen 2000
K. WOLFSGRUBER/A. WALDER, Die Pfarrkirche des hl. Johannes d.T. Toblach, Bozen o.J. [1982]
 
 
Text: Wolfgang Strobl
Fotos: Hans Walder sen.
Weitere interessante Informationen über Toblach können auf der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia abgerufen werden.


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